Zwischen Schwefelsäure und Helmtauchgerät
Bei einem Besuch in Deutschland hatte unser PADI Master Instructor Karl H. “Kalle” Epp die Gelegenheit, René zu treffen, einen Helmtauchgang zu machen und das Gespräch mit ihm aufzuzeichnen. Schon nach kurzer Zeit war klar: Dieser Verein ist etwas ganz Besonderes, die Mischung aus Tradition, Leidenschaft und Erfindungsgeist ist einfach faszinierend
Weißwasser in der Oberlausitz, wahrscheinlich nicht der erste Ort, der dir in den Sinn kommt, wenn es ums Tauchen geht. Doch wer mit René Blümel spricht, merkt schnell: Hier schlummert ein einzigartiges Revier. René ist Vorsitzender des Tauchvereins Aqua-Team Weißwasser, der seit Jahrzehnten Taucherinnen und Taucher begeistert: mit Umweltprojekten, Helmtauchgerät und einer besonderen Gemeinschaft.
Ein Gespräch mit René Blümel vom Aqua-Team Weißwasser über Tauchen in der Lausitz, die DDR und das Leben im Verein
René, was macht das Tauchen in eurer Region so besonders?
„Die Dichte an Gewässern ist enorm. Wir sprechen hier von über 100 Seen im Umkreis von 15 Kilometern. Viele davon sind klein und versteckt, manche sehr sauer – das ist ein Erbe des Braunkohlebergbaus. Unser sauerster gemessener See hatte einen pH-Wert von 2,6, das ist fast Schwefelsäure. Aber genau diese Vielfalt macht’s spannend: Ein See ist glasklar, der nächste wirkt wie ein Moor. Manche sind wie Unterwasserwälder. Kein Tauchgang ist wie der andere.“
Klingt fast ein bisschen gefährlich. Wie geht ihr damit um?
„Wir messen regelmäßig die Wasserqualität, zusammen mit unserer Schatzmeisterin, die promovierte Biologin ist. Wir nutzen ein Gerät, wie es auch an der Uni Cottbus verwendet wird. Wenn ein See ökologisch sensibel ist, gehen wir vorsichtig ran. Und manchmal entscheiden wir auch bewusst, etwas nicht zu reinigen, wenn etwa ein Wrack Lebensraum für Tiere geworden ist. Es geht um Respekt vor dem Ökosystem.“
Was hat es mit dem Helmtauchen auf sich?
„Wir konnten iin den 90ern an ein russisches Helmtauchgerät kommen, vermutlich aus Beständen der Schwarzmeerflotte. Das ist schwer, robust und braucht ein bisschen Bastelgeist. Die Luft kommt über ein altes CO₂-Zapfsystem, wie du’s von Bierzapfanlagen kennst. Damit tauchen wir in flachen Gewässern, immer mit Begleitung. Wer in den 70 Kilogramm schweren Anzug steigt, erlebt Tauchen wie vor hundert Jahren. Nicht nur Sporttauchen, sondern Zeitreise.“
Der Verein selbst hat eine besondere Geschichte, oder?
„Ursprünglich kamen wir aus der GST, der Gesellschaft für Sport und Technik in der DDR. Das war eine vormilitärische Organisation, die auch Tauchen gefördert hat. Unsere ersten Sektionen kamen aus drei Betrieben in Bad Muskau und Boxberg. Auch wenn das offiziell Betriebssportgruppen waren, haben wir von Anfang an zusammengearbeitet. Nach der Wende wurde daraus ein eingetragener Verein. Der Name ‚Aqua-Team‘ war schon vorher im Umlauf, wurde dann offiziell.“
Wie war das Tauchen in der DDR? Und was hat sich danach verändert?
„In der DDR war Tauchen eher zweckmäßig: keine Tarierwesten, einfache Technik, klare Aufgaben. Du musstest schwimmen, Kompasskurs halten, das Ziel erreichen. Nach der Wende war vieles anders, im Westen war Tauchen viel kommerzieller. Für uns war das ein Kulturschock. Heute sehe ich beides: Die westlichen Systeme setzen auf Sicherheit und Pädagogik, das ist sinnvoll. Aber wir bilden immer noch ruhig und individuell aus. Ohne Druck, aber mit Verantwortung.“
Wie läuft die Nachwuchsarbeit bei euch?
„Wie viele Vereine auf dem Land haben auch wir gemerkt, dass zwischen 20 und 40 oft ganze Jahrgänge fehlen, viele ziehen zum Studium oder zur Ausbildung weg. Aber inzwischen geht’s wieder bergauf: Wir gewinnen wieder junge Leute für den Verein, auch durch unsere Umweltarbeit und gemeinsame Aktionen mit Schulen. Das macht Mut.“
Und was wünschst du dir für die Zukunft?
„Nicht den großen Hype, sondern Menschen, die Zeit mitbringen. Unsere Region braucht keine Busladungen von Tauchern, sondern echte Begegnungen. Wer Interesse hat, soll kommen. Wir zeigen gerne, was wir haben.“
Zum Schluss: Wie würdest du das Aqua-Team in einem Satz beschreiben?
„Wir sind nicht berühmt. Aber wir haben alles, was man braucht. Komm vorbei, nimm dir Zeit – dann zeigen wir dir unsere Pfützen.“
Kontakt zum Verein:
Wenn du Lust auf individuelles Tauchen, Helmtauchen oder gemeinsame Projekte hast, melde dich gerne:E-Mail: kontakt@aqua-team-ev.de
Telefon: 0177 5254560





